Die Frage klingt seltsam, bis sie akut wird. Der Neffe, der die Seite gebaut hat, meldet sich nicht mehr. Die Agentur hat zugesperrt. Der Mitarbeiter, der alles eingerichtet hat, ist weg. Und plötzlich steht dein Betrieb vor der eigenen Website und kommt nicht hinein. Das passiert öfter, als man denkt, und es ist selten böse Absicht. Es hat nur nie jemand aufgeschrieben, wem was gehört.
Eine Website besteht aus vier Teilen
Sie fühlt sich an wie eine Sache, sind aber vier, und sie können bei vier verschiedenen Stellen liegen:
- Die Domain, also deine Adresse im Internet. Der wichtigste Teil, denn sie ist deine Identität.
- Der Speicherort, wo die Seite tatsächlich läuft.
- Die Inhalte, deine Texte, Bilder, Produkte, Beiträge.
- Die Zugänge, also wer sich einloggen und etwas ändern darf.
Wenn du bei allen vier weißt, wo sie liegen und wie du hinkommst, gehört dir die Seite tatsächlich. Fehlt einer, gehört sie dir nur gefühlt.
Die Domain ist der Punkt, an dem es wirklich weh tut
Alles andere kannst du im Notfall neu aufbauen. Die Domain nicht. Steht sie nicht auf deinen Namen oder den deines Betriebs, hängt deine gesamte Sichtbarkeit an einer fremden Person: E-Mail-Adressen, Visitenkarten, Suchergebnisse, Verlinkungen, Beschriftung am Firmenauto. Deshalb ist das die erste Frage, die du klären solltest, und zwar heute und nicht dann, wenn du sie brauchst.
Konkret nachsehen: Auf welchen Namen ist die Domain registriert? Auf welche Adresse laufen die Mahnungen, wenn die Verlängerung fällig wird? Und komm ich selbst an die Verwaltung heran?
Der Notfall-Zettel
Schreib einmal auf, am besten auf Papier oder in deinen Passwortspeicher, und leg es dorthin, wo du es im Ernstfall findest:
- Wo die Domain registriert ist und mit welchem Zugang.
- Wo die Seite läuft und wer der Ansprechpartner ist.
- Der Administrator-Zugang zur Seite selbst.
- Wer außer dir noch Zugriff hat, und ob das noch aktuell ist.
- Wo die Sicherungskopien liegen und wie man sie zurückspielt.
Das ist eine halbe Stunde Arbeit. Sie ist die beste halbe Stunde, die du in deine Website investieren kannst, weil sie im schlechtesten Moment den Unterschied zwischen Ärger und Katastrophe macht.
Kommst du wieder raus, wenn du willst?
Ein guter Anbieter erkennt man daran, wie leicht der Ausstieg ist, nicht daran, wie leicht der Einstieg war. Drei Fragen, die du vor jedem Vertrag stellen solltest, egal bei wem:
- Kann ich meine Inhalte exportieren, und in einem Format, mit dem anderswo etwas anzufangen ist?
- Kann ich meine Domain mitnehmen, ohne Diskussion und ohne Gebühr?
- Gibt es eine Mindestlaufzeit, und was passiert mit meinen Daten nach der Kündigung?
Wer darauf keine klare Antwort gibt, hat sie mit Absicht nicht.
Sicherungskopien sind Teil des Besitzes
Eine Seite, von der es keine aktuelle Kopie gibt, gehört dir nur, solange nichts passiert. Klär, ob und wie oft gesichert wird, wo die Kopien liegen, und ob schon jemand ausprobiert hat, ob sich eine Sicherung tatsächlich zurückspielen lässt. Eine Sicherung, die noch nie zurückgespielt wurde, ist eine Vermutung.
In drei Sätzen
- Eine Website besteht aus Domain, Speicherort, Inhalten und Zugängen, und Besitz heißt, bei allen vieren zu wissen, wo sie liegen und wie du hinkommst.
- Die Domain ist der Teil, den du im Notfall nicht ersetzen kannst, also prüf heute, auf wessen Namen sie läuft.
- Schreib deinen Notfall-Zettel, frag vor jedem Vertrag nach Export, Domain-Mitnahme und Laufzeit, und geh davon aus, dass eine ungetestete Sicherung keine ist.
Bei Tagfalter ist genau das der Grund für ein paar Entscheidungen: keine Mindestlaufzeit, deine Inhalte jederzeit exportierbar, deine Domain deine Domain, automatische Sicherung alle zwölf Stunden und Betrieb auf eigener Infrastruktur in Tirol statt bei einem Konzern. Kontrolle behalten heißt auch, jederzeit gehen zu können.
Quelle: https://tagfalter.rothirsch.tech/wem-gehoert-deine-website-eigentlich/
