Wer von Innsbruck aus das Oberinntal Richtung Westen fährt, dem fällt unweigerlich die mächtige Silhouette von Stift Stams ins Auge. Eingebettet zwischen den Gipfeln der Mieminger Kette und den Stubaier Alpen erhebt sich das Zisterzienserstift seit über 750 Jahren als eines der bedeutendsten geistlichen und kulturellen Zentren Tirols. Für uns Tirolerinnen und Tiroler ist Stams weit mehr als ein historisches Bauwerk – es ist ein lebendiger Ort, der Glaube, Geschichte und Gemeinschaft auf einzigartige Weise miteinander verbindet.

Gegründet wurde das Stift im Jahr 1273 von Meinhard II., dem Grafen von Tirol, und seiner Gemahlin Elisabeth von Bayern. Die Gründung war nicht nur ein Akt der Frömmigkeit, sondern auch ein politisches Zeichen: Meinhard wollte damit seine Herrschaft über Tirol festigen und zugleich eine würdige Grablege für seine Dynastie schaffen. Tatsächlich diente die Stiftskirche jahrhundertelang als Begräbnisort der Tiroler Landesfürsten. Wer heute vor dem berühmten Hochgrab steht, spürt unmittelbar die Verbindung zu den Wurzeln unseres Landes.

Architektonisch ist Stift Stams ein Fest für die Sinne. Die mittelalterliche Grundstruktur wurde im 17. und 18. Jahrhundert prachtvoll barockisiert. Betritt man die Stiftskirche, wird man von einer überwältigenden Fülle an Stuck, Fresken und vergoldeten Altären empfangen. Das berühmte Rosengitter, ein schmiedeeisernes Meisterwerk aus 84 Rosenblüten, trennt das Langhaus vom Chor und zählt zu den schönsten Kunstschmiedearbeiten des gesamten Alpenraums. Die Deckenfresken erzählen biblische Geschichten in leuchtenden Farben und laden dazu ein, den Blick immer wieder nach oben schweifen zu lassen.

Doch Stift Stams lebt nicht von der Vergangenheit allein. Bis heute wirken hier Zisterziensermönche, die den Rhythmus aus Gebet, Arbeit und Gastfreundschaft pflegen, der den Orden seit seiner Gründung im Jahr 1098 prägt. Das Stift ist ein Ort der Stille und Einkehr, aber gleichzeitig auch ein offenes Haus. Regelmäßig finden Konzerte, Ausstellungen und Führungen statt, die Einheimische wie Gäste gleichermaßen anziehen. Besonders die sommerlichen Orgelkonzerte in der Stiftskirche sind ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst – wenn die Klänge durch das barocke Kirchenschiff hallen, verschmelzen Raum und Musik zu etwas beinahe Überirdischem.

Eng verbunden mit dem Stift ist auch das Meinhardinum, das als Gymnasium mit angeschlossenem Internat über Jahrzehnte hinweg junge Menschen aus ganz Tirol geprägt hat. Darüber hinaus beherbergt das Stift das bekannte Schigymnasium Stams, das seit den 1960er-Jahren als Kaderschmiede des österreichischen Skisports gilt. Namen wie Stephan Eberharter, Benni Raich oder Hermann Maier sind untrennbar mit diesem Ort verbunden. Dass Spitzensport und monastische Tradition hier Tür an Tür existieren, macht Stams auf eine sehr tirolerische Art besonders.

Stift Stams ist ein Ort, der zum Innehalten einlädt. Ob man sich für Architektur begeistert, die Geschichte Tirols besser verstehen möchte oder einfach einen Moment der Ruhe sucht – ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Im Winter, wenn Schnee auf den Dächern liegt und die Stille besonders tief ist, entfaltet das Stift einen ganz eigenen Zauber. Im Sommer locken der weitläufige Stiftsgarten und die kulturellen Veranstaltungen.

Quelle: Foto 

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